Wie ein künstliches Korallenriff zum Leben erwacht – im Gespräch mit Riffbauer Martin Aigner 20.11.2025
Seit Juni hat die Alpentherme ein eigenes, echtes Korallenriff auf Bali! Die ersten Korallen sind bereits eingezogen, betreut wird das Projekt vor Ort von lokalen Tauchschulen. Wir sind gespannt zu shen, wie es langsam zum Leben erwacht. Das verdanken wir dem Gründer von Reefvillage - Creating New Life, Martin Aigner.
Martin, du lebst in Niederösterreich – weit weg vom nächsten Ozean. Woher kommt die Leidenschaft für das Meer?
Martin Aigner: Das Meer begleitet mich schon mein ganzes Leben. Im Brotberuf bin ich zwar Lichtplaner, aber seit über 25 Jahren auch Fotograf. Für Magazine wie National Geographic durfte ich um die Welt reisen, habe Delfine, Haie und wunderschöne Korallen fotografiert, aber auch gesehen, wie diese Schönheit langsam verschwindet. Die meisten Menschen denken, es sind in erster Linie die Wälder, die wir bewahren müssen, tatsächlich kommt aber jeder zweite Atemzug, den wir machen, aus dem Meer. Meine Überzeugung ist ganz einfach: Wenn es uns selbst gut geht, dann müssen wir auch was zurückgeben und uns besonders ins Zeug legen, dass unsere Welt noch so lange wie möglich lebenswert bleibt.
Wie entstand die Idee, selbst Riffe zu bauen?
Martin Aigner: Wir sind mit Freunden in einer gemütlichen Runde zusammengesessen, darunter auch Apnoetaucher Christian Redl. Wir wollten etwas bewegen und haben beschlossen: Wir bauen Riffe! Nicht, weil wir die Welt retten könnten – das kann niemand –, sondern um Aufmerksamkeit zu erregen und lokal etwas zu verändern. So entstand „Reefvillage – Creating New Life“ im Jahr 2017. Reefvillage ist keine Greenwashing-Aktion, das ist mir ganz wichtig, das immer wieder zu betonen. Wir arbeiten nur mit Partnern, die es ernst meinen. Deshalb passt die Zusammenarbeit mit der Alpentherme Gastein so gut. Hier bekommen die Besucher nicht nur schöne Bilder, sondern auch eine Botschaft mit nach Hause und können sogar selbst aktiv zum Meeresschutz beitragen, indem sie eine Fischpatenschaft übernehmen.
Wie kann man sich so ein Reefvillage vorstellen?
Martin Aigner: Das ist eine Metallkonstruktion mit unterschiedlich großen Öffnungen, die in Küstennähe versenkt wird. Daran befestigen wir kleine Korallenfragmente, anfangs mit Kabelbindern, die dann natürlich wieder vorsichtig entfernt werden, wenn die Korallen angewachsen sind. Die Natur übernimmt dann: Die Korallen wachsen, verbinden sich, und bald wimmelt es vor Leben. Aber das Technische ist nur die halbe Miete. Du brauchst Partner vor Ort, meistens Tauchschulen, die sich kümmern: Korallen reinigen und pflegen, Müll sammeln, mit Behörden und Einheimischen arbeiten. Ohne die Menschen vor Ort funktioniert es nicht.
Wo gibt es bereits Reefvillages?
Martin Aigner: Bisher auf den Malediven, in Bali, auf den Philippinen – insgesamt etwa 20 Stück. Unser nächstes Ziel ist das Mittelmeer. Das ist eines der am stärksten verschmutzten Meere der Welt, es erneuert sich nur alle 99 Jahre. Gleichzeitig wandern immer mehr Arten aus dem Roten Meer ein. Die Bedingungen verändern sich so dramatisch, dass man am oberen Suez Kanal bereits Korallen zum Wachsen bringen kann.
Gibt es ein Projekt, das dir besonders in Erinnerung geblieben ist?
Martin Aigner: Ja, auf der Insel Negros auf den Philippinen. Das ganze Dorf war da, als wir das wirklich große Riff versenkt haben. Es wurde gefeiert, es gab Spanferkel und die Taucher haben uns in ihre bescheidenen Hütten eingeladen. Ein Jahr später waren wir wieder dort und es hatten sich bereits 350 verschiedene Arten im Riff angesiedelt, das einfach war überwältigend. Da merkt man: Es geht nicht nur darum, einen Metallkäfig ins Wasser zu schmeißen. Es geht um die Menschen, die Geschichten und den Stolz, der diese Riffe erst richtig lebendig macht.
Was macht das Montequarium der Alpentherme so besonders?
Martin Aigner: Es ist ein Fenster ins Meer – mitten in den Alpen. Nicht jeder kann nun mal einfach so tauchen gehen – körperlich, finanziell oder weil das Meer auch einfach zu weit weg ist. Hier wird die Unterwasserwelt hautnah erlebbar gemacht. Hier kleben Kinder mit der Nase an der Scheibe und wenn sie tauchen, schwimmen sie Auge in Auge mit den Fischen. Dieses Erlebnis schafft kein Fachbuch und kein Film. Und wer eine Fischpatenschaft übernimmt, der wird selbst Teil des Projekts, so fängt Bewusstseinsbildung an.
Was wünscht du dir von unseren Gästen, die im Montequarium tauchen?
Martin Aigner: Ich wünsche mir, dass die Besucher nicht nur staunen, sondern inspiriert werden. Dass sie merken: Meeresschutz ist kein ferner Luxus, sondern beginnt bei jedem selbst – auch hier in den Alpen. Jeder kann etwas beitragen, sei es bewusst konsumieren, Müll vermeiden oder eine Fischpatenschaft übernehmen. Wenn wir alle kleine Schritte gehen, entsteht etwas Großes, genau wie bei einem Riff. Und vielleicht nimmt der eine oder andere aus dem Montequarium mehr mit nach Hause als nur schöne Bilder: ein Gefühl der Verbundenheit mit der Natur, das motiviert, wirklich etwas zu bewirken!
Die Fotos zeigen das Reefvillage auf Negros/Philippinen und wurden von Reefvillage Gründer Martin Aigner aufgenommen! Neugierig, wie das Alpentherme-Riff aussieht?